Mittwoch, 30. September 2009

Frühling und Semana de la Escuela

ja, heut war ein herrlich warmer, sonniger Frühlingstag.
Der Himmel ist wolkenlos, strahlend blau und in der Nacht scheint der Mond.
Klar sieht man die Sterne. Das Kreuz des Südens seh ich auch jeden Abend.
Seit genau einer Woche heißt´s übrigens Willkommen im neuen Zuhause.
Erst hab ich gedacht es wär nur für ein paar Tage, aber jetzt bleib ich einfach mal da und freu mich jeden Morgen aufs neue, wenn der Hahn im Nachbargarten kräht während ich das Haus verlasse.
Irgendwie fühl ich mich wohl in diesem Haus, das vom Erdbeben vor knapp 40 Jahren krumm und schief ist. Und hier mein neues Bett...
Mittendrin statt nur dabei: Semana de la Escuela.
Die Woche der Medizin an der Universidad Austral de Chile.
Jeden Tag sind Wettbewerbe bei denen die verschiedenen Jahrgänge gegeneinander antreten. Gestern hat das Video unseres Jahrgangs gewonnen, heute waren Spiele im Botanischen Garten angesagt. Seilziehen, Eierlauf, 30 Bustickets sammeln, ...
wieviel Medizinstudenten kann man in einem Quadratmeter stapeln? 23
wieviel Kleidungsstücke kann man übereinander anziehen? Die Jungs oben ohne und ein Mädchen mit 42 T-shirts, Pullis und Hosen übereinader :-)

Hier der Entwurf unseres Kurses für einen Logowettbewerb.

Y aqui puedo presentar a usted: el 5°ano
mein Jahrgang
Vamonos 5°!!!

Dienstag, 29. September 2009

Atemberaubend und atemraubend


Der Villarica
2847m hoch

einer von Chiles aktivsten Vulkanen


Sonntag 27.09.2009 die erste Vulkanbesteigung meines Lebens :-)



bis auf 1200m mit dem Auto, von da zu Fuß durch den Schnee

bis auf 2685m

da hab ich dann meiner Höhenangst nachgegeben und beschlossen, mein Ziel ist hier und nicht weiter...den Krater schau ich mir wenn, ein andermal an. Aber auch so war es ein einmaliges Erlebnis







Montag, 21. September 2009

Viva Chile!

Ein herrliches verlängertes Wochenende liegt hinter mir.
Während der Start in die Woche nicht besonders toll war, geht es mir an deren Ende so richtig gut hier.

Mittwoch: zum ersten Mal beim Rudern. Was ich am Anfang für ein Aufwärmen gehalten habe waren am Ende eineinhalb Stunden Extremsport inmitten von etwa 20 chilenischen Ruderern zwischen 13 und 23 Jahren. Das heißt konkret: Laufen und immer wieder zwischendrin 20 Liegestützen, auf einem Bein hüpfen, Kniebeugen, Liegestütz im Wechsel mit Strecksprüngen, Sprint, wie ein Frosch hüpfend fortbewegen... beim
sich gegenseitig auf dem Rücken tragen im Lauf und drei Strecken "Schubkarrnfahren" hab ich zwar kapituliert aber im großen und ganzen einigermaßen durchgehalten und am Ende war ich herrlich kaputt. Und s´war so richtig schön. Auf Wasser war ich am Tag drauf. Zwar bei Regen, aber wie herrlich hier die Stimmung sein kann, seht ihr rechts. Pelikane, die über dem Wasser schweben und ein gleitendes Ruderboot... was will man mehr.

Freitag 18.September 2009
Viva Chile-Feliz 18!
schon die ganze Woche über ist ganz Chile aufgeregt. Nationalfeiertag. Das heißt hier, dass wirklich ganz Chile feiert. Sei´s im Supermarkt oder auf der Straße, in den Taxis, Restaurants, Geschäften, Banken, am Markt, im Krankenhaus und zu Hause in den Häusern, alles ist voll von Flaggen, Girlanden, Fähnchen in rot-weiß-blau. Und wirklich: ganz Chile feiert. Vor allem in den Familien zu Hause, aber auch mit "Volksfest" und Pferderennen und "Fondas", das ist quasi das chilenische Pendant zum Bierzelt. Mit Apfelwein und Pisco. Mit Anticuchos (gegrillten Fleischspießen) und Empanadas (gefüllte Teigtaschen). Mit Queca (typisch chilenischer Tanz) und einem herrlich originalem Rummelplatz :-) mit Riesenrad und Achterbahn. Mit gebrannten Erdnüssen und Zuckerwatte, mit Drachen (hilfe, direkt in der Nähe der Stromleitungen) und Kunsthandwerksmarkt.

Samstag/Sonntag: von einer Kommilitonin bin ich für das Wochenende nach Puerto Montt eingeladen gewesen und hab dort mit ihr Geburtstag gefeiert und ein angenehm entspanntes Restwochenende verbracht mit gutem Essen, Fernsehbildern von der Parade aus Santiago zum Nationalfeiertag und Michelle Bachelet der Präsidentin. Ein riesen Aufgebot mit Kampffliegern, Soldaten, Polizisten, Marine, Reitern usw. usw.
Hab die zwei Tage mit der Familie dort sehr genossen.
Ganz liebe Grüße.





























































Montag, 14. September 2009

Sich treiben lassen...

- oder - per Anhalter nach Puerto Varas.



Ich hab das Wochenende genossen. Meine ersten Schritte hinaus und hinein ins Land...

Sich treiben lassen und all die Gelegenheiten, die sich einem bieten annehmen. Dieses Motto hat mir und einer hier in Valdivia kennengelernten Deutschen am Ende ein schönes Wochenende bereitet. Auch wenn wir am Ende so ziemlich nichts von dem gemacht haben, was wir ursprünglich vorhatten.


Begonnen hab ich die kleine Reise am Freitag allein. Mit dem Bus, der meine Kommilitonen zu einem ausnahmsweise auswärts stattfindenden Kurs nach OSORNO gebracht hat, konnte ich einfach mal mitfahren....hier angekommen mit dem nächstbesten Colectivo "al centro por favor". Dort erst mal orientieren und auf der Parkbank in der Sonne den Reiseführer rausgekramt, wo bin ich hier überhaupt und wo kann ich hin. Der Vulkan, den ich ursprünglich sehen wollte, hat sich als weiter weg als erhofft herausgestellt. Außerdem kann man zur Zeit nicht hochgehen... Das alles hab ich nach vielem Fragen rausgekriegt. Also erste Planänderungen.... Landkarten, Text, Bauchgefühl und Abenteuerlust.


Nach einem kleinen Spaziergang durch die Stadt und der Versuchung eine Gitarre zu kaufen bin ich mit Rucksack voll Notverpflegung und Schlafsack in den Bus nach ENTRE LAGOS gestiegen. Da hatte ich von einer Hospedaje gelesen, wo man wohl die Nacht verbringen kann.


In Entre Lagos hab ich dann diese erste Übernachtungsmöglichkeit erst mal ausgeschlagen, weil´s mir viel zu teuer war und mehr ein Hotel. Es muss doch noch was anderes geben. Also, einfach mal durch den Ort laufen, fragen und suchen. Auf den fünften Anlauf wurde meine Geduld und die Lust daran, nicht das erstbeste zu nehmen, dann allerdings belohnt und ich durfte in einem kleinen Häuschen nur für mich allein, statt normal für 6 Leute übernachten. Leider, leider wurden die Einzelzimmer nämlich gerade renoviert und so hab ich für das gleiche Geld was viel schöneres gekriegt :-) Außerdem war ich nur wenige Meter und zwei weitere Häuschen vom Seeufer entfernt an dem ich dann abends die unendliche Ruhe ganz allein am Ufer sitzend unheimlich genossen hab...



Eine erholsame Nacht später war die nächste Herausforderung genau in den Bus zu springen, mit dem Franzi aus Osorno kam, der fährt nämlich weiter nach Aguas Calientes, von wo aus angeblich einige schöne Wanderwege losgehen. Es hat überraschend gut geklappt auch ohne offensichtliche Bushaltestellen und Zeitpläne... einfach mal auf gut Glück da warten, wo die Busse vorbeifahren. Nachdem das erstaundlich gut geklappt hatte durften wir in Aguas Calientes erfahren, dass es unsere angestrebte Hütte nicht mehr gibt, also Wanderwegumplanung...



Am Ende sind wir dann per Anhalter im Skihotel glandet und weil wir als Freunde von Freunden aufgenommen wurden konnten wir für einen sehr guten Preis dort im Doppelzimmer übernachten... statt Ski zu fahren sind wir dann ein bissl gewandert, wir wollten erst mal erkunden, ob´s das Geld wert ist Ausrüstung und alles auszuleihen. Rund ums Hotel sah´s etwas .... grün aus....Auf der Suche nach dem Rundweg gings zuerst mal durch den Schnee und am Ende doch noch erfolgreich hin zu einem Vulkankrater :-) schon faszinierend, wenn man sich vorstellt, welche Kräfte da einst die Erde durchbrochen haben... wir sind heiter durch Lavagestein und Schnee gestapft. Mitten im Krater.


Bleibt zu bemerken, dass dieses Skihotel schon ein verrückter Ort war, wo wir da gelandet sind... Tourismus halt, wo sich die Reichen und Schönen treffen....nix für mehr als eine Nacht.

Ja und heute sind wir dann erst mal 1,5h gen Tal gewandert. Bewegung und frische Luft genießend. Leider mit Regen. Drum ham wir dann doch mal den Daumen rausgehalten beim zweiten Auto, das vorbeikam, um die 18 km Straßenwanderung etwas zu beschleunigen. Und "sich treiben lassen" hat am heutigen Tag bedeutet, wir werden nicht nur bis zum nächstmöglichen Bus mitgenommen, sondern fahren ca 100km (einfache Strecke) weiter. Die zwei Argentinier, die uns per Anhalter bis nach Puerto Varas (siehe Bild - Wellen im großen Süßwassersee) mitnahmen, haben uns einen recht schönen aber auch ziemlisch verrückten Tag beschert. Aber bei Regenwetter lässt sich gegen so eine Autofahrt durch Chile wenig einwenden. Ja und am Schluss haben sie uns direkt am Busbahnhof von Osorno abgesetzt. Glück muss man haben :-)

Freitag, 11. September 2009

Wochenend und Sonnenschein

Wochenend und Sonnenschein
da wird das kleine Hannilein
wenn alles läuft wie´s ihr gefällt
eintauchen in ne neue Welt
Valdivia mal kurz verlassen
um Schritt und Tritt und Fuß zu fassen
Spazierengehen, Wandern, Laufen
zwei Tage und dann s´Ticket kaufen
für die Busfahrt hier zurück
Ich will mal raus, versuch mein Glück
Teil 1 von Chile zu entdecken
mich nicht an einem Ort verstecken.
Am Montag pünktlich 8.00 im Hospital
und was ich hier dann schreib.... des schau mer mal.
Es trennen mich noch 40 Fragen
ich werd´s versuchen, mich morgen plagen.
Ihr könnt bis dahin auch mal wählen
was wollt ihr sehn, was soll ich erzählen?:
A: Bilder
B: Gedicht
C: Abenteuerbericht
D: Gruselgeschichte
E: was zum schmunzeln und zum lachen
ich hätt da bestimmt so ein paar Sachen.
Gute Nacht.

Mittwoch, 9. September 2009

Der Lauf des Lebens...


Der Lauf des Lebens ist so unterschiedlich und spannend. Das denk ich mir vor allem bei einigen Kurzzeitbekanntschaften, die man trifft und wieder aus den Augen verliert. 3 Franzosen, die mit den Skiern in Südamerika unterwegs sind, eine Berlinerin, die jetzt nach dem Abi ihren chilenischen Freund besucht, den sie in seinem Auslandsjahr in Deutschland kennengelernt hat. Eine junge Mutter im Krankenhaus, die mit 19 Jahren ihr Neugeborenes in Armen hält...und zu Hause ... siehe weiter unten.

Freitag: Feuer und Flamme - war auf einer sehr schönen Party unter einer Garageneinfahrtsüberdachung mit Grill in einer halben Blechtonne :-)

Samstag: Lauf - nicht der des Lebens, sondern der zum 55.Geburtstag der Universidad Austral de Chile. Juhuuuu... ich hab mich getraut und bin mitgerannt und war immerhin nicht letzte. Gedankenfetzen: Wie beim Laufen sollt man einfach auch im Leben sein eigenes Tempo durchhalten, egal wieviele schneller oder langsamer sind..... dabei sein ist alles.
Mittendrin statt nur dabei :-)


Gerade ist auch in meiner Albergue mehr los, das gefällt mir sehr gut.
Vor allem bin ich hier auf einen weiteren super spannenden Menschen getroffen, ein Amerikaner, der als Kind eine Zeit in Bolivien aufgewachsen ist, schon in Mittelamerika, Asien und Afrika gearbeitet hat und hier gerade auf der Suche nach seinen ganz ursprünglich deutschen Vorfahren ist.....mit Erfolg.

Woher kommen wir, wieso gibt´s uns eigentlich, jeden einzelnen und wie vieles spielt im Leben zusammen, dass sich unsere Großeltern und Eltern gefunden haben und beschlossen haben genau da eine Familie zu gründen, wo wir geboren sind und wie wird die Geschichte bei jedem einzelnen von uns weitergehen?

Zur gleichen Zeit, wie ich mich das frag, heiraten in Deutschland zwei Freunde und bei zwei anderen kommt ein kleines Baby Welt...

Ja und hier wird gerade ein Hundebaby verkauft... unser Dackelbaby :-( oh nein.... jetzt ist der Tschupi weg. Ganz ohne große Vorwarnung...

Ob ich meinen Wunsch, mal ganz viele Kinder zu haben über die 3 Wochen in und um den Kreissaal aufrechterhalten kann, das erfahrt ihr Ende September.


Nun, ansonsten lern ich gerade immer wieder ein bisschen Obstetricia/Geburtshilfe, in der Hoffnung am Freitag die Prüfung zu bestehen. Und es macht sogar Spaß. Nicht nur die Tatsache immer mehr vom Spanischen zu versehen, sondern auch die Gedanken zwischen den Zeilen. Wie das Leben entsteht und dann die Überlegungen, wie wohl das Leben um die neuen Mütter herum aussieht.... wie ist die Beziehung zum Vater, Wunschkind?, usw.....

Über das Corazon espiritual - das spirituelle Herz nachzudenken, dazu hat gestern der Lehrer in der allerersten YOGA-Stunde meines Lebens aufgefordert... nicht ganz so wie ich mir Yoga vorgestellt hab, bissl mehr Theorie und Gespräch und die Atemübungen waren etwas "strange", aber mal spannend zu auszuprobieren.
Ausprobiert oder eher vergeblich versucht hab ich am Wochende dreierlei: 1.am Samstag Abend der missglückte Versuch am dunklen und menschenleeren Uni-Campus ein Public viewing des Fussballspiels Chile-Venezuela (2:2) zu finden. gott sei dank bin ich nicht alleine über den recht romantisch im Mondlicht liegenden Unicampus spaziert
2. am Sonntag hab ich probiert ein um 17 Uhr beginnendes Jazzkonzert ausfindig zu machen, was dann tatsächlich in einem Ort 1h weit von Valdivia entfernt stattfand
3. Abends um 21 Uhr - ich hab extra nachgefragt - sollte ein weiteres Jazzkonzert stattfinden
als wir um dreiviertel neun dort waren, ist´s uns etwas komisch vorgekommen, dass sie abbauen - nein, dass wär um 19 uhr gewesen... NNNEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIINNNNNN!!!
Der Kinofilm, der Ersatzprogramm war, hat dann aber so gut getan und war richtig schön romantisch... aaahhhhh :-) da kommt man ins träumen.

Heute: Rechts seht ihr das Ergebnis meines Versuchs, keine Plastikschuhe zu kaufen, sondern vielleicht eine Art Ballerinas oder so...
hihi... wenn man in nem Schuhgeschäft, das nur bis 39 Frauenschuhe hat nach 41 fragt wird man schon mal komisch angeschaut :-) Aber jetz hab ich ja schöne weiße Schuhe fürs Krankenhaus und eine Hose an die 4cm Länge angestückelt sind :-) Gefällt mir ganz in Weiß rumzulaufen. Heute ganz jungfräulich das neue Gewand zum ersten mal angehabt. So, diese Ausführungen waren jetzt garantiert nicht nur ab über 18 (Foto)

Freitag, 4. September 2009

Eintritt in eine neue Welt

Schritt für schritt tauch ich mehr ein in meine neue Welt hier...
Dieses Foto hab ich noch vor wenigen Minuten am Ufer gemacht. Ich bin gemütlich entlang spaziert und hab die Abendstimmung genossen. Von Tag zu Tag fühl ich mich noch wohler hier...

ein schönes Gefühl.

Heut nachmittag hab ich dafür mit der Heimat geskypt. Das war auch schön. Wenn man mit der Webcam virtuell durchs heimatliche Wohnheim laufen darf während man in Chile am Balkon in der Sonne sitzt. Das g´fällt mir. War schön ein paar Gesichter zu sehen... Passiert ja jetzt dann auch einiges daheim. Ich denk nur an die drei Hochzeiten meiner Freunde/Verwandten, im September. Ich wünsch euch allen schönes Wetter und viel Spaß.
Und politisch ist´s ja grad auch nicht langweilig in der Heimat.


Und was passiert hier:

Juhuuuuu!!! Die erste chilenische Prüfung ist geschafft. Wenn auch nur eine kleine. Aber ich hab mich richtig gefreut, als ich mich bei den 5 freien Fragen heute gar nicht so schlecht angestellt hab. Zwar war vieles ungenau, aber immerhin, ich hab brav meine spanischen Antworten verfasst auch ohne alle Fragen komplett zu verstehen...
z.B.

Formula obstetrica: Partos de termino - Partos pretermino - Abortos espontaneo - Abortos inducidos - Hijos vivos. :-)

Dann hab ich mir ein dickes Geheft kopiert-geschätzte 4cm dick- und damit hab ich jetzt super Lernmaterial für nächste Woche. Motiviert bin ich durch heute auf jeden Fall es zu versuchen.

Die Chilenen kopieren übrigens total viel. Die Bücher in der Bücherei kann man nämlich gerade mal einen Tag ausleihen, gerade genug zeit um die wichtigsten seiten zu duplizieren.


Ich mach mich jetzt mal auf den Weg. Heut ist ein Salsakurs, da will ich vorbeischau´n und für´s Wochenende hab ich auch schon die ersten Pläne. Darauf freu ich mich.
Meine Abenteuerlust ist wieder vollends erwacht....


Donnerstag, 3. September 2009

mit anderen Augen

Nicht jede Erkenntnis ist bequem. Und die Augen in einem Land wie Chile aufzumachen und mal wirklich zu sehen, was um einen herum geschieht bedeutet schon auch selbstkritisch sein zu müssen. Ein bisschen Augenöffner war ein Gespräch mit meinen zwei Vermieterinnen, das sich nach einer spontanen Einladung mich auf ein Bier zu ihnen zu gesellen, ergeben hat.
Als "reiche Europäer" ist unser Verhalten im Ausland nicht immer überall angemessen.... manches Feingefühl muss man auch erst lernen.... so hat zum Beispiel die Französin, die hier seit 2 Jahren lebt erzählt, dass sie sich das handeln auf dem Markt abgewöhnt hat, denn wenn man bedenkt, wie oft die Ärmeren benachteiligt werden, wenn sie auf Menschen "höherer Schichten" treffen, dann ist auch irgendwie verständlich, wenn sie dem Gringo mehr abverlangen, wenn er zu ihnen kommt.... ein schwieriges Thema. Aber ich seh mein kaltes Zimmer gerade anders. Wieso beschwer ich mich? Ich kann mir immerhin das Getränk im Cafe in der Stadt leisten um mich aufzuwärmen. Aber wieviele Menschen hier, leben in viel ärmlicheren Verhältnissen, haben einfach im Leben keine Chance bekommen.... nicht ganz einfach, über sowas nachzudenken...
Und Thema Hausbesuche: ist es nicht auch einfach traurig zu sehen, wie die Menschen leben müssen? Man läuft schon Gefahr durch das spannende und neue ein bisschen zu vergessen, was man da eigentlich wirklich sieht...
naja. auch diese nachdenkliche Seite will ich euch nicht vorenthalten.

Mittwoch, 2. September 2009

0°C


0°C und Sonne.

1.September 2009 in Valdivia.

schön, wenn die Sonne scheint. Da kann man die Stadt von seiner schönsten Seite entdecken.

aber meine finger kann ich grad abends kaum bewegen zum tippen.

Heut war ich wieder mit auf Hausbesuchstour. Diesmal durch Siedlungen mit kleinen Häuschen und Hütten. Schon irre wie die Leute hier teilweise leben.

Ansonsten hab ich ein paar Kleidungsstücke etwas schrumpfen lassen. Aber wenn man trockene Wäsche haben will geht am Trockner kein Weg vorbei...

und juhuuu..... gerade hat eine der Hausherrinnen Feuer gemacht. ich glaubs nicht... 0°C scheint dann doch auch bei ihnen eine Schmerzgrenze zu unterschreiten und hier im Haus ist echt kaum ein Unterschied zu draußen.

Dienstag, 1. September 2009

ab jetzt Chilenin

Ein wundschön sonniger und eiskalter 31. August-Wintertag geht zu Ende.
Heut hab ich gelernt, dass es hier keinen öffentlichen Briefkasten gibt sondern nur den, der zu den Öffnungszeiten der Post zugänglich ist.
Heut abend hab ich dann selbst Hand angelegt und ein gemütliches Kaminfeuer gemacht in dessen zur neige gehender Wärme ich seit dreieinhalb Stunden an einem Bericht gesessen bin, den ich noch für Deutschland zu schreiben habe.
Außerdem bin ich seit heute stolze Besitzerin eines Chilenischen Ausweises. Juhuuuu.
Sonstiges? Morgen zieht auch die letzte verbleibende Mitbewohnerin aus. Hat nicht einer von euch Lust mich zu besuchen, ich hab ein Haus quasi für mich allein. Mit über 31 leerstehenden Betten. Wie wärs mit einem Tutorenausflug?
Eine neue Wohnmöglichkeit scheint sich anzubahnen. Wenn das was werden würde :-)

Mein Freund der Parkwächter, an dem ich fast täglich vorbeigegangen bin und der mir immer nachgerufen hat "bonita" hatte heute Geburtstag und hat mir das sogar auf seinem Ausweis gezeigt und sich von mir gratulieren lassen :-)

Diese Woche steht wohl auch noch eine erste Prüfung an der Uni an...
Fotos gibts demnächst wieder mehr. Ich bin so müde. Heut früh hab ich schon den ganzen Vortrag beim Gruppentreffen der Gynäkologen verschlafen...
Gute Nacht zur chilenischen Geisterstunde.