Montag, 2. November 2009

Pangipulli-Valdivia-Concepción

Samstag/Sonntag 24./25.Okotber 2009
533km Autofahrt. Regen, Sonne, Schotterstraße, Schlaglöcher, Kühe, Schafe oder auch mal eine Schweinefamilie am Straßenrand oder mitten auf der Straße. Eine herrliche Fahrt durch grüne eine grüne Landschaft.Als Schlechtwetterprogramm der Versuch in Freiluftthermen zu gehen. Der erste Anlauf scheiterte nach 6 km Schotterpiste an einer Brücke, die gerade gesperrt war wegen Bauarbeiten. Kein Durchkommen, also zurück und zu anderen. Das erste Mal Thermen und eine Überwindung aus dem schön warmen Wasser in die Kalte Nieselregenluft zu klettern. Nach einer Nacht in Conaripe (n=nj) am Sonntag zu den Saltos de Huilo Huilo. Ein wirklich schöner Wasserfall. Mitten in der Natur.

Auf dem Rückweg... Umzug auf chilenisch. Mitten auf dem Land/ in der Natur, in einem "Ort", der bestimmt nicht mehr als 20 Häuser + einer kleinen Kirche hat ein Erlebnis: Ein Haus zieht um. Der Later zieht den Traktor und der Traktor zieht das Haus, das auf Baumstämmen gelagert den Schotterweg umpflügt... irre und verrückt. Sonntag Abend zurück in Valdivia. Nach der langen Autofahrt und wegen schlechtem Wetter keiner Wanderung bin ich noch kurz 30 min Ergometer gefahren und auf dem Rückweg vom Ruderverein hab ich einfach das Wetter und die Stimmung in meiner kleinen Stadt genossen und den Seelöwen zugeschaut wie sich zwei davon gegenseitig von der kleinen Insel im Vordergrund immer wieder runtergeschubst haben... und ich hab die Gelegenheit genutzt Schönwetterfotos von Valdivia zu machen. Nett, gell...
Die Woche über hab ich dann meinen ersten Kuchen hier gebacken, der Mangels "Potenz" des chilenischen Backpulvers nicht aufgegangen ist. Dann halt eine Art Brownie und kein hochgegangener Rotweinkuchen. Aber geschmeckt hat er in unserer letzten Gynäkologievorlesung des Semesters. Krass, wie schnell die Zeit vergangen ist. Aber es bleibt noch das tägliche Praktikum und Prüfungen und natürlich auch noch das Forschungsprojekt wo ich vergangenen Mittwoch den ersten Patienten komplett selbst aufgenommen hab.


Donnerstag 29.-Samstag 31.Oktober 2009

JIM-Juegos interesculares de Medicina- Concepción

Ja, über 5 h waren wir an dieser Flagge gesessen und haben gemalt. Und ich durft wieder mal meine Finger mit im Spiel haben. Aufgehängt werden durfte sie dann aber doch nicht am Masten bei all den anderen, gerade eben weil sie GEMALT und nicht gedruckt war. Muss es denn wirklich so engstirnig zugehen???
Diese drei Tage an der Uni in Concepción waren schön, anstrengend, für die Mehrheit der Teilnehmer alkoholreich und schlafarm zugleich. Medizinstudenten der verschiedenen Universitäten sind in Fussball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik und Tennis gegeneinander angetreten. Sportlich war´s für uns nicht so ganz erfolgreich. Da kann sich die vergleichsweise kleine Universidad Austral de Chile halt doch nicht z.B. mit der Universidad de Chile aus Santiago messen.
Letztere hat gegen die Uni Concepción ein Basketballfinale der Männer hingelegt, das mich echt begeistert hat. 3 Sekunde vor Spielende hatte die Spieler der U-Santiago bis auf 3 Punkte in einem irre spannenden Spiel aufgeholt gehabt. Bleibt eine einzige Chance die Niederlage noch zu verhindern. Ein Korb aus großer Distanz, der drei Punkte bringt. Santiago kriegt den Ball... der Spieler läuft ... und wirft.... noch 2 sekunden... und TRIFFT. Die Uhr bleibt 1 sekunde vor Schluss stehen, die blaue Fanmasse ist nicht mehr zu halten und mein Rücken hat eine Gänsehaut...
In den 5 Minuten Verlängerung haben dann (leider) doch die Concepcióner gewonnen, nicht unverdient, und es war echt ein schönes Finale.

Ich hab in den 3 Tagen gelernt, dass die Chilenen wenn sie untereinander sprechen einfach nicht zu verstehen sind und dass "Hueon" und "cachai" (zwei Umgangssprachewörter Hueon so etwa wie "hey Alter" und cachai=verstehst du) auch nerven können, wenn die Sätze zu über 50% daraus bestehen. Dann hab ich ein paar mir neue Basketballregeln kennengelernt - unter anderem auch learning by doing - als ich mich als "Notfall-5.-Frau" in einem Spiel mehr oder weniger blamiert hab, weil ich halt noch nie vorher g´scheit Basketball gespielt hab.
Außerdem hab ich inzwischen schon in mehreren Situationen, hier aber einmal drei Tage aufeinander gelernt, dass Chilenen erst sehr spät weggehen. So ab 1 Uhr, vielleicht auch halb 2... davor wird vorgeglüht und sich hergerichtet und ...
Diese Nacht z.B. sind wir bis 5 Uhr auf der Party gewesen um dann um 6 Uhr unsere Rucksäcke zu holen und um 7.15 Uhr in den Bus zu steigen, der uns größtenteils tiefschlafenderweise zurück nach Valdivia gebracht hat.

Hier bin ich noch mit meiner Mitbewohnerin kurz bei herrlichem Sonnenschein Joggen gewesen. Und dann sind wir, weil schließlich heute Allerheiligen ist, noch eine Runde über den deutschen Friedhof in Valdivia spaziert. Deutsche Namen, deutsche Grabsprüche gemischt mit chilenischen Namen und spanischen Grabsprüchen... eine seltsame Mischung.

"Das Deutsche" von "Comida alemana", "Kunstmann-das gute Bier" und anderen deutschen Geschäftsnamen wie "Alterfluss" und "Cafe Hausmann" über deutsche Melodien bei der Militäerkapelle bis hin zu den deutschen Schulen in quasi jeder größeren Stadt mitten in Südamerika bringt mich immer wieder in eine Zwickmühle. Einerseits ja schon witzig "Kuchenes" zu essen und auf begeisterte deutsch sprechende chilenische Jugendliche zu treffen. Andererseits aber auch sehr befremdlich...
Mit Vollmond über Valdivia genieß ich den Blick zurück aufs JIM, den Blick aus meinem Fenster, die Aussicht auf eine Nacht voll Schlaf und die Vorfreude auf ein gutes Frühstück morgen um 7.00. Buenas noches.

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