Donnerstag, 19. November 2009

Santiago und Valparaiso


zuerst noch ein Nachtrag zum 11.11.: Sanktmartinslaterne blickt auf´s Meer!
Meine Mitbewohnerin und ich haben Laternen gebastelt, auch in Gedanken ans Wohnheim und die jährliche Tradition.

Und noch in der Nacht desselben Tages gings für mich los:
Hanni allein auf Abenteuerreise. 5 Tage Kurzurlaub und Großstadtluft in Santiago und Valparaiso. Ich bin raus ich mache blau...
Ich hab nicht nur das trockene und angenehm sommerlich warme Wetter genossen. Besonders gut hat mir Valpariso gefallen... die Stadt hat Charme und auch die Leute ticken dort scheinbar auf eine ganz tolle Art und Weise anders... alternativ, kunstbegeistert, gut...
Da ist es mir gestern gar nicht leicht gefallen wieder zurück zu kommen ins kleine Valdivia, wo es wieder mal regnet.

Santiago

Valparaiso

Und trotzdem kann ich ihm was abgewinnen meinem kleinen verschlafenen Ort...
zum Beispiel die 5 h Zeit zum Kuchenbacken. So lang hat es gedauert, bis die ersten Donauwellen meines Lebens, selbstverständlich nach Mamas Originalrezept, fertig waren.
Kuchbacken hier ist allerdings auch echt ein Abenteuer...
1. Gasofen
2. ohne Waage
3. was bitte nehm ich anstatt von, Vanillezucker
4. wie "potent" ist das Backpulver (=imperial) hier (3 Esslöffel davon sind NICHT zuviel)
5. wie mach ich Pudding ohne Dr.Oetkerpulver (4 Eigelb, 1/2l Milch, eine Vanilleschote (kostet umgerechnet ca. 4 Euro), 2-4EL Speisestärke, 50-80g Zucker)

Bis hierhin hat alles super geklappt...
und dann kam die Krönung... Couvertüre als Glasur.... die ums Verrecken nicht schmelzen will, sondern sich zu einem ekligen Klumpen formt... trotz wasserbad...
bis ich dann gelesen hab, dass sie genau zwischen 45 und 50 °C weich wird... wortwörtlich stand da drauf "am besten mit Termometer zu bestimmen"
das ging am ende eher in die Hose :-(
Nächstes mal kauf ich die sauteuren 100g Schokoladetafeln. Zartbitter das stück für ca 1,50 Euro.

Kein Wunder warum die Chilenen kaum selber backen, sondern mehr Kuchen kaufen... das ist nämlich echt ein teures vergnügen...aber den Spaß war´s wert.

Mittwoch, 11. November 2009

11.11.

stichpunktartig - 11 mal "S"

Sommer ?????????
Santa Claus
Schnee im Schaufenster
Streik im KrankenhausSchnick-Schnack (11.11,11uhr11:-) das hat hier aber nix mit Fasching zu tun
Sankt Martin: die laternenbastelutelsilien liegen bereit
Sehnsucht nach Santiago - um 11 nach 11 Uhr abends + 3 Minuten geht´s los. Juhu

Vielleicht sollte man doch nicht jede Tradition beibehalten, wenn man als Auswanderer das Land wechselt... ich bin ja sowieso ein großer "Fan" von Christbaumkugeln im Oktober. Was sich hier aber grad in den Schaufenstern abspielt ist echt absurd... während die Nikoläuse im Wintermantel auf ihre Rentiere im Schaufenster aufpassen verlassen die Menschen im T-shirt mit Eis den Laden... es lebe der Sommer :-)

Dienstag, 10. November 2009

20 Jahre Mauerfall - 9.11.2009




einfach, weil ich es schön finde, dass dieser Tag WELTWEIT Beachtung findet, möchte ich ihm hier einen kurzen Eintrag widmen und hab im Gedanken daran bemalte Hausmauern in Valdivia fotografiert :-)

Sonntag, 8. November 2009

zu Ende

Der Zahnpastastrang reißt ab, meine geliebte Elmex geht zu Ende. Hier hab ich sie bisher vergeblich gesucht :-) aber das ist ganz gut so...

Auch das inzwischen sehr lieb gewonnene Gynäkologiesemester ist, was den aktiven Teil mit Anwesenheitspflicht anbelangt, gestern mit meinem letzten langen Dienst - 12h Hospital de Base Valdivia - heute zu Ende gegangen. Zuvor war am Freitag die 3. und letzte schriftlichen Prüfung. Jetzt heißt es fiebern, ob ich im Dezember zur mündlichen Prüfung antreten werde oder nicht...

Ja und in Deutschland ist heute am 9.11.2009 vor 20 Jahren auch etwas zu Ende gegangen. Und ich erinner mich zurück an den Anfang meiner Zeit hier, als ich an meinem ersten Tag in Chile im Hostal gefragt worden bin, ob wir zu Hause auch ein Stück Berliner Mauer haben. Schon spannend, was diese Geschichte für die Welt bedeutet hat. Ich werd diesmal auf Spanisch etwas zum Mauerfall lesen. Es ist spannend zu sehen wie dieses Ereignis auch weltweit Beachtung findet. Und wie feiert ihr in Deutschland das? Das fragen auch viele Chilenen...

Hier ist ein Bild wie ein schöner Tag zu Ende geht.


Ansonsten geht´s natürlich weiter mit der Arbeit im Forschungsprojekt, vielleicht bald wieder mit Lernen, dem Rudern, den Entdeckungstouren durch Stadt und Land und ich bin heilfroh, dass meine Zeit hier alles andere als zu Ende ist.

Montag, 2. November 2009

Pangipulli-Valdivia-Concepción

Samstag/Sonntag 24./25.Okotber 2009
533km Autofahrt. Regen, Sonne, Schotterstraße, Schlaglöcher, Kühe, Schafe oder auch mal eine Schweinefamilie am Straßenrand oder mitten auf der Straße. Eine herrliche Fahrt durch grüne eine grüne Landschaft.Als Schlechtwetterprogramm der Versuch in Freiluftthermen zu gehen. Der erste Anlauf scheiterte nach 6 km Schotterpiste an einer Brücke, die gerade gesperrt war wegen Bauarbeiten. Kein Durchkommen, also zurück und zu anderen. Das erste Mal Thermen und eine Überwindung aus dem schön warmen Wasser in die Kalte Nieselregenluft zu klettern. Nach einer Nacht in Conaripe (n=nj) am Sonntag zu den Saltos de Huilo Huilo. Ein wirklich schöner Wasserfall. Mitten in der Natur.

Auf dem Rückweg... Umzug auf chilenisch. Mitten auf dem Land/ in der Natur, in einem "Ort", der bestimmt nicht mehr als 20 Häuser + einer kleinen Kirche hat ein Erlebnis: Ein Haus zieht um. Der Later zieht den Traktor und der Traktor zieht das Haus, das auf Baumstämmen gelagert den Schotterweg umpflügt... irre und verrückt. Sonntag Abend zurück in Valdivia. Nach der langen Autofahrt und wegen schlechtem Wetter keiner Wanderung bin ich noch kurz 30 min Ergometer gefahren und auf dem Rückweg vom Ruderverein hab ich einfach das Wetter und die Stimmung in meiner kleinen Stadt genossen und den Seelöwen zugeschaut wie sich zwei davon gegenseitig von der kleinen Insel im Vordergrund immer wieder runtergeschubst haben... und ich hab die Gelegenheit genutzt Schönwetterfotos von Valdivia zu machen. Nett, gell...
Die Woche über hab ich dann meinen ersten Kuchen hier gebacken, der Mangels "Potenz" des chilenischen Backpulvers nicht aufgegangen ist. Dann halt eine Art Brownie und kein hochgegangener Rotweinkuchen. Aber geschmeckt hat er in unserer letzten Gynäkologievorlesung des Semesters. Krass, wie schnell die Zeit vergangen ist. Aber es bleibt noch das tägliche Praktikum und Prüfungen und natürlich auch noch das Forschungsprojekt wo ich vergangenen Mittwoch den ersten Patienten komplett selbst aufgenommen hab.


Donnerstag 29.-Samstag 31.Oktober 2009

JIM-Juegos interesculares de Medicina- Concepción

Ja, über 5 h waren wir an dieser Flagge gesessen und haben gemalt. Und ich durft wieder mal meine Finger mit im Spiel haben. Aufgehängt werden durfte sie dann aber doch nicht am Masten bei all den anderen, gerade eben weil sie GEMALT und nicht gedruckt war. Muss es denn wirklich so engstirnig zugehen???
Diese drei Tage an der Uni in Concepción waren schön, anstrengend, für die Mehrheit der Teilnehmer alkoholreich und schlafarm zugleich. Medizinstudenten der verschiedenen Universitäten sind in Fussball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik und Tennis gegeneinander angetreten. Sportlich war´s für uns nicht so ganz erfolgreich. Da kann sich die vergleichsweise kleine Universidad Austral de Chile halt doch nicht z.B. mit der Universidad de Chile aus Santiago messen.
Letztere hat gegen die Uni Concepción ein Basketballfinale der Männer hingelegt, das mich echt begeistert hat. 3 Sekunde vor Spielende hatte die Spieler der U-Santiago bis auf 3 Punkte in einem irre spannenden Spiel aufgeholt gehabt. Bleibt eine einzige Chance die Niederlage noch zu verhindern. Ein Korb aus großer Distanz, der drei Punkte bringt. Santiago kriegt den Ball... der Spieler läuft ... und wirft.... noch 2 sekunden... und TRIFFT. Die Uhr bleibt 1 sekunde vor Schluss stehen, die blaue Fanmasse ist nicht mehr zu halten und mein Rücken hat eine Gänsehaut...
In den 5 Minuten Verlängerung haben dann (leider) doch die Concepcióner gewonnen, nicht unverdient, und es war echt ein schönes Finale.

Ich hab in den 3 Tagen gelernt, dass die Chilenen wenn sie untereinander sprechen einfach nicht zu verstehen sind und dass "Hueon" und "cachai" (zwei Umgangssprachewörter Hueon so etwa wie "hey Alter" und cachai=verstehst du) auch nerven können, wenn die Sätze zu über 50% daraus bestehen. Dann hab ich ein paar mir neue Basketballregeln kennengelernt - unter anderem auch learning by doing - als ich mich als "Notfall-5.-Frau" in einem Spiel mehr oder weniger blamiert hab, weil ich halt noch nie vorher g´scheit Basketball gespielt hab.
Außerdem hab ich inzwischen schon in mehreren Situationen, hier aber einmal drei Tage aufeinander gelernt, dass Chilenen erst sehr spät weggehen. So ab 1 Uhr, vielleicht auch halb 2... davor wird vorgeglüht und sich hergerichtet und ...
Diese Nacht z.B. sind wir bis 5 Uhr auf der Party gewesen um dann um 6 Uhr unsere Rucksäcke zu holen und um 7.15 Uhr in den Bus zu steigen, der uns größtenteils tiefschlafenderweise zurück nach Valdivia gebracht hat.

Hier bin ich noch mit meiner Mitbewohnerin kurz bei herrlichem Sonnenschein Joggen gewesen. Und dann sind wir, weil schließlich heute Allerheiligen ist, noch eine Runde über den deutschen Friedhof in Valdivia spaziert. Deutsche Namen, deutsche Grabsprüche gemischt mit chilenischen Namen und spanischen Grabsprüchen... eine seltsame Mischung.

"Das Deutsche" von "Comida alemana", "Kunstmann-das gute Bier" und anderen deutschen Geschäftsnamen wie "Alterfluss" und "Cafe Hausmann" über deutsche Melodien bei der Militäerkapelle bis hin zu den deutschen Schulen in quasi jeder größeren Stadt mitten in Südamerika bringt mich immer wieder in eine Zwickmühle. Einerseits ja schon witzig "Kuchenes" zu essen und auf begeisterte deutsch sprechende chilenische Jugendliche zu treffen. Andererseits aber auch sehr befremdlich...
Mit Vollmond über Valdivia genieß ich den Blick zurück aufs JIM, den Blick aus meinem Fenster, die Aussicht auf eine Nacht voll Schlaf und die Vorfreude auf ein gutes Frühstück morgen um 7.00. Buenas noches.

Montag, 19. Oktober 2009

Jungfernfahrt

Valdivia blüht im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Frühling gerade auf. Und ich ebenfalls.


Die letzten zwei Wochen hab ich tatsächlich viel gelernt und gefühlsmäßig von Spanisch und Gynäkologie echt viel dazu gelernt um dann vergangenen Donnerstag meine zweite Prüfung zu schreiben. Ich hab mich irgendwie recht schwer getan und kann sein, dass es nicht gut war, aber egal. Jetzt bin ich einfach nur erleichtert, dass es geschafft ist.
Seither ist viel passiert.


Ein dreitägiger Gynäkologiekongress an der Uni. Inclusive Videokonferenz. Dabei durfte ich, als Deutsche, mitten in Chile, einem Griechen, der aus London zugeschaltet war auf Englisch zuhören. Hätt ich gewollt, hätt ich sogar noch die spanische Übersetzung haben können :-) Wissenschaft verbindet die Welt. Schon verrückt diese Situation...

Mittendrin. Ein Tag "Schichtdienst" im Krankenhaus an dem ich die ersten drei Geburten meines Lebens gesehen habe. Samstag 17.10.2009

Dann ist in Valdivia gerade noch Internationales Filmfestival. Ebenfalls ein Highlight.

Ja und ausserdem kann ich glücklich behaupten:


Ich hab ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd...


Donnerstag mittags bin ich innerhalb des gleichen Hauses, meiner zweiten Villa Kunterbunt, umgezogen und jetzt hab ich meinen Platz hier gefunden. MEIN ZIMMER. Es ist groß, es ist alt, es ist herrlich und es hat ein großes Fenster durch das mich jetzt jeden Morgen die Sonne über den Dächern Valdivias begrüßt. Dunkler Parkett, eine weiße Holzdecke und ein großes Bett... soviel also zu ich hab ein Haus.
Ich hab ein Äffchen?
Ja, seit vergangenem Samstag - bei meinem Ausflug nach Temuco hab ich ein Stoffäffchen, Senior Nielson.

Und wer macht das Trio perfekt? Natürlich kleiner Onkel oder übersetzt Tiito (von Tio= Onkel und "-ito" = Verniedlichungsform) . Pippi Langstrumpfs weißes Pferd mit schwarzen Punkten. Mein Pferd ist auch weiß aber hat eher braune Flecken als schwarze Punkte und eigentlich ist es nicht ein Pferd sondern viele... aber auch für mich macht´s mein Trio perfekt. oder einfach nur den Traum von Freiheit.

Ich weiß, ich sprech in Rätseln... nun ja, ich hab eine Überraschung, mit der ich schon seit drei Wochen am Organisieren bin.

zum ersten Mal in meinem Leben bin ich Besitzerin (nicht Eigentümerin) eines Autos! Ein kleiner Jeep!!! Geliehen für ein Jahr :-) Durch einen ziemlich glücklichen Zufall...




Sonntag 18.10.2009 - Jungfernfahrt. 100km Chile.

Ich bin hin und weg von diesem Bilderbuchsonntag in einem Land, in dem es noch so viel zu entdecken gibt. Zu viert sind wir nach einem Frühstück am Meer in den Nationalpark Oncol gefahren um dort eine kleine Wanderung durch "Urwald" zu machen. Und an der Küste entlang ging´s wieder zurück nach Valdivia. Die ganze Fahrt war ein einziges Erlebnis und das Fahren hat mir total Spaß gemacht. Ich glaub ein bisschen ist daran auch das Fahrtraining meines Bruders schuld :-) Und ich liebe meinen kleinen "Gaul" schon jetzt, ganz in der Hoffnung, dass er mir fit und treu bleibt. Schotterwege auf und ab. Mal mehr, mal weniger steil. Schlaglöcher. Ein Minifluss, durch den man einfach durchfährt. Schafe und Kühe am Wegesrand und manchmal auch mitten auf der Straße. Ja und ein irrer Blick übers Meer....

Bei mir startet in wenigen Stunden eine neue Uniwoche und eine neue Rotation. Ja, und bei vielen von euch geht´s heute ins neue Semester. Dafür wünsch ich euch, jedem einzelnen, einen guten Start. Manch anderem einen guten Endspurt bei Diplom-/Master-/Bachelor- und sonstigen Arbeiten.

Viele Grüße aus Chile. Eure Hanni.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Zum ersten Mal...

Juhu. Während in der niederbayerischen Heimat ein Elektroauto Karriere macht, das neue Semester naht und der Herbst das Land in bunte Farben taucht, bekommen hier die Bäume immer mehr saftig grüne Blätter und ich hab heut "im Projekt" meine ersten zwei Patienten selbständig aufgenommen! Ein echt schönes Erlebnis:-)

Jetzt geht´s weiter zum Endspurt beim Lernen. Donnerstag ist Gynäkologieprüfung Nummer 2.


Grüße aus dem Frühling in den Herbst

PS: die Elektronischen Briefmarken (siehe Mitte August 2009), hab ich heute erfahren, waren nur einen Tag gültig...hab ich wohl einige ungültig losgeschickt und mag sein, dass einige meiner Briefe im Nichts des chilenischen Correo verschwunden sind.