Samstag, 29. August 2009

Auf und ab!

Englisch mit spanischem Untertitel.

Sonntagabend 30.08.2009 Gerade komm ich vom Cine Club heim. Das ist ein kleines Kino am Uni-Campus, wo ich heute zum ersten Mal war. Auch wenn ich zu Hause genug zu tun gehabt hätte, bin ich ganz bewusst noch rausgegangen. Fast jeden Abend laufen dort Filme in einem richtig echten Kinosaal...heute: Enemigos públicos/Public enemies mit Johnny Depp.

Aber ich erzähl euch jetzt in Stichpunkten die Geschichte der letzten Tage.
Der Titel "AUF & AB" passt dazu recht gut.


Donnerstag 27.08:
Langenscheidt und Umgangssprache.

Nach dem ersten Mal Deutsch-Chilenischem Stammtisch in der Bar Ultima Frontera, war ich am Donnerstag mit meinen Kommilitonen auf einer Medizinerparty. Auf dem Weg dahin hab ich einiges an Wörtern gelernt, die ich in der Uni wohl besser nicht alle hernehm. Ein harmloses Beispiel: atracar=knutschen. Hab aber schon wieder die Hälfte vergessen.

Sehr lecker übrigens zum Trinken: Pisco-Cola.














Freitag 28.08

Hätte mich heute früh jemand gefragt: wie geht´s dir? wär meine ehrliche Antwort gewesen: nicht so gut. Ich häng in der Luft und such den Boden. Zu mindest fühlt es sich manchmal so an. Was mir in der Vorlesung durch den Kopf gegangen ist: "Allein sein hat manchmal nichts damit zu tun wieviele nette Menschen man um sich herum hat."

Mit diesem Gedanken bin ich ins Wochenende gestartet, an dessen Ende die Welt schon wieder ganz anders aussieht....

Die erste Aufgabe war: Wohnung besuchen. Die Adresse hab ich mehr oder weniger deutlich am Telefon verstanden. Jetzt erst mal hinfinden. Und nein... es beginnt zu regnen...ein kleiner Laden war der erstbeste Zufluchtsort....aber den Regen abwarten bringts nicht....

75g Schokolade später stand ich nass, orientierungslos und nicht gerade glücklich unter einem Baum um mich und meinen feuchten Stadtplan vor noch mehr Regen zu schützen.
Am Ende hat mich die Vermieterin netter Weise mit dem Auto aufgegabelt nachdem ich nicht ganz hingefunden hab. Das war wirklich einen nette Frau. Sie wohnt mit ihrem 14 jährigen Sohn allein und ich könnte mit einziehen. Nettes Zimmer, schönes Häuschen. Nur zwei Dinge: sehr weit ab vom Schuss und sehr ruhig. Aber es ist vorerst mein Umzugsplan ab September, wenn ich nix passenderes finde. Es gibt wirklich mehr als genug Möglichkeiten zum Wohnen, aber den optimalen Kompromiss hab ich noch nicht gefunden. Und mit offenen Augen und Ohren gibt´s immer wieder neue Tipps. Ich find schon noch meinen Platz hier ...


Erlebnis Nummer zwei am Freitag:
Warum auch Briefmarkenkaufen ausgezeichnete Sprachkenntnisse voraussetzen sollte seht ihr im Foto. Erst am Ende hab ich gemerkt, dass eine der vielen unverstandenen Fragen die war, ob ich maschinengedruckte Marken haben will. War wohl ein "ja" an der falschen Stelle. Jetzt hab ich hässliche Computermarken, statt großer bunter...


Drittens: Visitas. Ich durfte zum ersten Mal mit auf HausbeSUCHE. Erst hab ich im Regen gewartet darauf, dass mich jemand, den ich nur vom Namen kenn am Treffpunkt abholt. Witzig, wenn man bei jedem Auto denkt, der könnt es sein...
die Suche ist übrigens absichtlich groß geschrieben. Es hat sich herausgestellt, dass es gar nicht so leicht ist Familien, die per Telefon nicht erreichbar sind in Häusern ohne Hausnummer zu finden. Wenn man dann mal das Wohnhaus hat muss man nur noch hineinkommen. Ohne Türschild und ohne Klingel.
Das ganze selbstverständlich mit Pfützen-seen am Boden und Regen von oben. Für mich war es das Abenteuer des Tages und super spannend zu sehen, was für unbekannte Ecken Valdivia noch hat und spätestens hier weiß ich, wie toll es ist einen Ort nicht nur als Tourist zu entdecken...

1,5h Fitnessstudio später.

Freitag Abend:
Wieviel Grad hat eine eiskalte Dusche?
Aber nachdem ich verschwitzt war gab´s kein zurück. Da musst ich dann durch.
Reicht, wenn die Kleidung mieft. Wenigstens ich will mich fünf Minuten am Tag sauber fühlen. Nachdem ich aber wieder viel besser gelaunt war, hab ich mich über dieses Abenteuer amüsiert und hineingestürzt ins kalte Nass.
Nach der Dusche gings in die Neuentdeckung der letzten Tage:
Das Cafe/Bar Ultima Frontera. Anders und noch besser als s´Cafe MORO.












Wie auch immer ich drauf gekommen bin - beim Verlassen des Hauses hab ich begonnen die Sekunden zu zählen bis ich nass bin. Keine 10 Sekunden später kam eine Windböhe und hat Schirm und Jacke jeglicher Funktion entzogen. Nass. Zum 3. Mal heute.
Ich hab mich ganz allein mit meinem Buch bewaffnet aufgemacht. Nicht den Abend allein daheim sitzen. Meine Mitbewohner, die ich gerade kennengelernt hatte, sind alle ausgezogen.
Rotwein und Lesen war der Plan.

Allerdings war kein Tisch frei und als einer frei wurde, hab ich gemeint, ich hab kein Problem mich mit noch einem einzelnen wartenden an denselbigen zu setzen. Statt zu lesen hab ich also dann 2 h mit einem wildfremden Chilenen mittleren Alters gequatscht. Auch nicht schlecht, oder :-)

Samstag 29.08.

Ausschlafen. D.h. ich wach um 11.45 auf und oh mein Gott, Sonnenstrahlen. Nix wie raus.
Aber wohin? Nicht ganz gut gelaunt start ich den Tag.
Mit Laptop und Lernsachen bewaffnet, wollt ich vorm MORO noch etwas spazieren gehen, hab dabei meinen Ex-Mitbewohner aus USA getroffen und bin spontan mit ihm zum Essen. Bis dahin hat´s auch wieder zu tröpfeln begonnen, also keine Sorge, man kann ruhig ohne schlechtes Gewissen drin hocken. Danach hab ich aber tatsächlich 3h mit Lernen verbracht und ganze 6 Seiten geschafft.

die Frage der Vorlesung: Wieso Beginnt eine Geburt? stimmt eigentlich? Hab ich mich noch nie gefragt. Und die Antwort ist nicht ganz so offensichtlich wie erhofft.... ich kämpf mich durch das Vorlesungsscript...
factor activador de plaquetas (=Plättchenaktivierender Faktor), fosfatidil-inositor bifosfato (Phosphatidyl-inositol Biphosphat), sodio (=Natrium), ...und dann noch kapieren, wer was macht und welche Kaskade wie abläuft :-) damit der inicio del parto auch functioniert (dieser verschreiber war grad unabsichtlich :-) funktioniert natürlich.
Der Abend war dann sehr schön. Mein deutscher Kommilitone und seine Mitbewohner haben mich mitgenommen und wir sind ins Kunstmann gefahren. Das ist ein Restaurant/Brauerei, wo´s das hier gebraute Kunstmann-Bier gibt. 8erlei Sorten. Und "typisch deutsches Essen". Naja... der Schweinshaxen hatte sehr wenig mit dem bayerischen Pendant zu tun :-) aber ich habs vergnügt zur Kenntnis genommen und den Abend unterwegs mit den anderen sehr genossen. Schee woars!
Am Ende bin ich noch mit zweien davon bei einem Glas Rotwein versackt. Im Ultima Frontera.




Auf dem Heimweg wurd ich dann ausgenommen. Nein, keine Angst, nicht ausgeraubt. Ich hab mir nämlich extra für die 500m Heimweg ein Taxi bestellt. Aber der Taxifahrer hat mich glaub ich bissl beschissen... naja... wieder eine Erfahrung reicher.

und wie ich mitten in der Nacht heimkomm... ist im Hostal Party.
28 Leute sind hier für eine Nacht.
Es stellt sich raus, dass es ein (Kirchen)chor ist. Fast alle zwischen 30 und 50 schätz ich. Sehr witzig. Gesang, Gitarrenmusik und eh ich mich verseh hab ich ein Glas Bacardi-Cola in der Hand.
Das gefällt mir... und heute (Sonntag) bin ich extra in die Kirche gegangen um den Chor zu hören. War dann auch wirklich schön. Auch wenn ich beim besten Willen nicht raugekriegt hab, welche Geschichte im Evangelium dran war. Immerhin das Vater unser versteh ich schon :-)

Jetzt wollt ich euch noch erzählen, dass es in Valdivia, wo viele Menschen deutsche Vorfahren haben auch ein paar übernommene Worte gibt. So gibt´s beim Bäcker z.B. Kuchen. Mehrzahl: Kuchenes :-)

Außerdem gibt´s zu berichten, dass hier viel mehr geraucht wird und ich quasi täglich rauchige Klamotten heimbring. Zigaretten sind auch viel billiger.
Noch was? Ach ja, ich hab mir zwei spanische Bücher von Pablo Neruda gegönnt:

Libro de las Preguntas
und
Veinte Poemas de Amor y una canción desesperada.

Ja und heute war die Neuigkeit des Tages: SONNE. SONNE. SONNE. Ich bin richtig aufgeblüht. So herrlich trocken warm wie heute in der Sonne, war mir schon lang nicht mehr. Wie hab ich das genossen. Auch wenn ich leider nicht viel unterwegs war. Ich muss noch nen Bericht fertig schreiben und eigentlich wollt ich lernen. Soweit bin ich aber dann gar nicht mehr gekommen. Aber 1,5 h bin ich glücklich draußen auf der Veranda gesessen und hab geschrieben und unseren drei Dackeln zugesehen, wie auch sie die Sonne genießen und jeden Fußgänger der vorbeigeht anbellen, bis er am Zaun vorbei ist. Nebenbei hab ich kurz mit Deutschland und Mauritius per skype gequatscht. Schon verrückt. Eine Welt am Balkon vereint. Chile 15 Uhr, Deutschland 21 Uhr, Mauritius 23 Uhr. Will nicht wer nach Asien oder Neuseeland reisen, dann ham wir bald alle Zeitzonen durch.
Inzwischen ist´s hier Mitternacht, ich komm zum Ende. Dabei hab ich noch nichts von meinem neu erstandenen Vanille-Duftsäckchen für mein Zimmer erzählt. Genausowenig von der Nacktschnecke, die Dauergast im Waschbecken ist und heut abend einer neuen Besucherin in meinem Bett :-) Selbstverständlich ist auch wieder mal kein Feuer an...
Alles, was in mir und um mich herum vorgeht, kann und muss man aber eh nicht berichten,....
Und passend zur Ginecologia an der Uni am Ende die Frage:
Eine schwere Geburt? So ein Neustart in der Ferne ist ab und an schon eine nicht so ganz einfache Geburt. Aber ich weiß, wie sehr ich das immer wollte und wie ich es immer noch als das einzig richtige ansehe und so sind auch die kleinen Schwierigkeiten spannender Teil davon.
Und für´s heutige Abschlussfoto musst ich endlich mal drei Schichten G´wand loswerden. Heitere Grüße an alle Lernende, Schreibende, Arbeitende, Ferien machende, Famulierende und Lesende.

Mittwoch, 26. August 2009

Feel the rain on your skin,...



...no one else can feel it for you!

Mit diesem Eintrag brech ich heut schon den zweiten Vorsatz. Eigentlich gar nicht meine Art.
Ich wollt doch heut abend nicht Tagebuch schreiben. Aber ich denk an euch und drum erzähl ich die Geschichte meines heutigen Tages.
An der Uni hab ich meine erste "kurz-vor-Geburt-Schwangere" gesehen, die heute ihr Kind gebären wird und auch noch selber Geburtstag hat. Immerhin, 22 jährig.
Zuvor wieder eine der witzigen, wie-verhalt-ich-mich-jetzt-situationen. Meine Kommilitonin hat den Arzt kurz vor der Visite mit "Bussi-Backe-an-Backe" begrüßt. So, jetzt komm ich mit "Hola" sagen dran. Kennt sie ihn besser oder bin ich jetzt auch dran mit Bussi auf die Backe? Zögerlich, die Hand und beobachtendes abwarten und bereit sein für... ja :-) Bussi auf die Backe. Witzig von einem älterer Herr Professor, ergraut, mit Krawatte, klein, leicht rundlich.

Ansonsten hab ich sehr wenig vom heutigen Unterricht verstanden und war nicht ganz so glücklich. Der Kampf gegen die Windmühlen geht mit vollem Elan weiter :-)
Hier im Hostal angekommen wurde mir eröffnet, ich soll bitte gleich Monatsmiete + Deposit zahlen (Anm. d. Redaktion: die Vermieterinnen brauchen das Geld). Jetzt werd ich also einen Monat hier sein.
Welcome to the Hotel California....
you can check out any time you want, but you can never leave...
Nachdem mich am Wochenende gleich alle fünf Mitbewohner im Stich lassen und ausziehen, die ich jetz ein bisschen kennengelernt hab hab ich ein bisschen ein mulmiges Gefühl, was mich dann erwartet...

Immerhin ein Vorhaben hab ich heut in die Tat umgesetzt und einen "12x/1Monat-Vertrag" in einem Gimnasio gemacht. So heißt hier das Fitnessstudio. Es war ein Geheimtipp von meinem Kommilitonen und ich find´s super. Es ist alt, die Geräte, das Haus, die Räume. Aber es ist authentisch! Es geht auch ohne hypermoderne Geräte! Mir hat das heut super gefallen. Hier sind die Leute nicht, weil sie die neuesten Sportmodetrends an ihren gestylten Körpern vorführen wollen, umringt von "wie werd ich schlank"-Werbepostern. Nein, hier sind die Chilenen, weil sie Sport machen wollen, oder auch als Bodybuilder ihre Muskeln trimmen, das schon. Eine Mukibude halt :-) Aber da findet man Leute, die sich durch den Regen gekämpft haben in alten T-shirts, an Geräten, die einfach ihren Zweck erfüllen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und in der Umkleide kann man einfach ein paar Sprachfetzen mit Unbekannten austauschen, sich angrinsen, durch und durch nass und sich einig sein: "haben wir nicht schönes Wetter heut".

Der Besitzer hat selber übrigens riesig aufgeblähte Oberarme und sitz gemütlich mit einem alten Mann ratschend in seinem Büro, das einfach ein abgetrennter Glaskasten im Geräteraum ist...





Auf dem Heimweg war ich so nass, dass es völlig egal war, ob ich mich an der Ampel unterstell oder nicht... meine zwei Paar Socken waren sowieso schon durchgeweicht. Weil ja bald Bundestagswahl in Deutschland ist hab ich noch beim Deutschen Konsulat vorbeigschaut. Vielleicht gibt´s ja hier die Möglichkeit mein Wahlrecht in Anspruch zu nehmen, nachdems mit Briefwahl und Postweg ja alles leicht schwierig ist. Das Türschild hat etwas gesagt von Konsul Herr sowieso im 2.Stock (=unser 1.Stock, EG=1.). Also rauf. Und hier seht ihr den Glaskasten, der das deutsche Konsulat in Valdivia darstellt. Außen rum scheinbar irgendwelche Geschäftsräume. Eine der Damen, die hier am Computer saß und bei der ich mich durchgefragt hab, wies mich dann auf das Hinweisblatt an der Tür des Glaskastens hin: "die sind wohl im Urlaub". Also les ich: "Wir sind derzeit im Urlaub und ab 4.Oktober wieder für sie da." Ok. Das war´s dann wohl mit der Wahl. Neuer Traumjob deutscher Konsul in Valdivia?

Daheim nach dem Duschen hab ich dann Wunsch und Vorsatz Nummer eins des heutigen Tages gebrochen. Ich wollt so gern mit meinen Büchern zum Lernen ins Cafe MORO. Ein gemütliches Plätzchen suchen und den Abend genießen. Aber: nochmal komplett nass werden? Der Regen hört nicht auf.... Wieviel Paar trockene Schuhe hab ich noch?

Jucks? Nass.

Sportschuhe? Feucht.

Stiefel? Ich schlüpf hinein: feucht!

Flip-Flops? zu kalt und vom Duschen nass.

Wanderschuhe? Trocken und sauber.


Jacke? Nass.






















Also föhn ich nach der warmen Dusche (siehe rechts) meine Siefel, schlüpf in frische, warme Klapmotten. vierschichtig. Und bleib zu Hause.Und diese ganzen nassen Sachen obwohls heut vormittag überhaupt nicht geregnet hat:-)
Das Feuer will nicht angehen. Das Papier: feucht. Das Holz auch.
Inzwischen brennt das Feuer aber. Ein Mitbewohner hat mir geholfen. Ich sitz zwar nicht mehr oben, weil´s mir zum Lesen zu viel Trubel war, aber immerhin trocknen die Tasche, die Jacke, die Mütze und die Schuhe, damit ich morgen früh wieder an die Uni kann :-)

Ansonsten hab ich ein nettes Abendessen mit einem Schweden und ner Deutschen hinter mir und zwei sehr angenehme Telefonate mit daheim. Nicht zu vergessen, einen Dackel, der mich auch ohne Spanisch versteht und die Ankündigung meiner Kommilitonen, dass am Donnerstag Medizinerfeier ist :-) Außerdem hab ich zwei Kommilitoninnen gefragt, ob sie nicht mal Lust auf einen gemeinsamen Kaffee haben...

Und: ich träum gerade ein bisschen davon mit dem Radl von hier bis an die Südspitze Chiles zu fahren. Das ist zwar eher unmöglich, und da kann ich noch lang davon träumen, aber es muss ja nicht jeder Traum wahr werden :-)
Und falls wir uns so schnell nicht mehr sehen:
Guten Morgen, guten Mittag, guten Abend und gute Nacht.

Dienstag, 25. August 2009

Fortsetzung folgt

Liebe fleißige Leser und Mitfiebernde,


Warum spannt man in Valdivia den Regenschirm besser nicht draußen auf? Dann wird er ja von innen und außen nass!

Heut früh: Auf dem Weg zum Colectivo (zwei Querstraßen, keine zwei Minuten) war ich komplett nass - bei Gegenwind und Regen. Um halb acht in der früh etwas ungemütlich.


Im Krankenhaus: Ultraschall von schlagenden Herzen ungeborener Kinder. Und ein Prof, der freundschaftlich auf die Schulter schlägt.

Beim Mittagessen in der Küche: auf einmal eine Maus/Ratte im Maul des hauseigenen Hundes! Eine leicht überraschende Situation.

Im Consultorio meine ersten selbständigen Schritte im Patientenaufnehmen. Ein Mädchen, das extra noch vorbeikommt und mir ein "Bussi auf die Backe" zum Abschied gibt und mein erstes geschenktes, selbstgemaltes Bild vom 6 jährigen Franco. Schon echt süß :-)


Dann zu Hause: Stress zwecks Zimmer. Ich hab mich getraut zu sagen, dass ich nicht so ganz glücklich bin und dass ich´s nicht so toll find, wie´s grad läuft. Daraufhin bissl ungute Situation und auch "Vorwürfe" von der anderen Seite.... Hat halt nicht nur Vorteile, wenn alles sehr unverbindlich ist. Ob´s gut war was zu sagen? Ich weiß nicht. Hab jetz zwei drei Leute, die länger hier wohnen gefragt und länger als ein Monat hier wird nicht so gut sein. Die Vermieterinnen sind wohl etwas zu "unverbindlich".


Dann musst ich einfach raus, weil einfach alles doof war und bin mit den netten Noch-Mitbewohnern zum Essen gegangen. Letztendlich war´s ein echt schöner Abend, an dem ich mit nem Chilenen verhockt bin und geratscht hab...


...und am Ende darf ich jetz doch für ein Monat in das Kellerzimmer. Egal wie, ich freu mich so über mein Zimmer, die ersten Fotos hängen und eine leere Rotweinflaschen ist die neue Blumenvase. Es ist kalt und feucht, aber es ist meins! Zu mindest mal für einen Monat.


Ja, und mit dem letzten Bild möchte ich nicht nur den Regenschirm schließen, sondern auch meinen Blog. Keine Angst, nicht für immer,....
aber ich eröffne euch hiermit, dass ich nach knapp zwei Wochen Chile mit fleißigem und täglichen Schreiben, beschließe, dass ich mich nicht mehr jeden Tag der virtuellen Welt hingeben werde, sondern vielleicht ein bisschen weniger dukumentieren werde und statt dessen mehr in der realen Welt undokumentiert lasse. Denn ist es nicht auch eine Freiheit, manchmal nur den Augenblick zu erleben ohne ihn festhalten zu wollen. Vielleicht komm ich mehr zum lesen, sehr gerne auch eure E-mails. Vielleicht auch nicht. Aber auf jeden Fall gibt´s ab jetzt weniger detailiertere, aber nicht weniger begeistert verfasste Berichte. Es wird sich ab nun ohnehin einiges wiederholen und nicht mehr jeder Tag voll neuer Erlebnisse stecken. Auf alle Fälle: macht euch keine Sorgen, wenn ihr mal etwas länger nix hört....
Ich hoffe ich konnte euch bis hierher miterleben lassen, wo´s mich hinverschlagen hat und dass ich gut angekommen bin. Und bis zum nächsten Eintrag seid mir alle recht herzlich gegrüßt aus dem Kellerzimmer inmitten von Valdivia, Chile. Eure Hanni
In diesem Sinne:
Fortsetzung folgt!

Montag, 24. August 2009

Regen, Rennen, Ruhe und wieder auf der Suche.




Hallo ihr lieben,

heut hab ich seit Ewigkeiten das erste Mal wieder ohne Wecker ausgeschlafen. Herrlich. Und: ich hab meinen dicken fetten Schlafsack (bis -7°C) ausgepackt und mich darin eingemummelt: juhuu... mir war kein bisschen kalt.

Von gestern abend bleibt noch zu berichten: das Erlebnis Supermarkt. An sich find ich die Idee so riesige moderne Supermärkte weitestgehend zu meiden sehr gut, aber gestern hat´s mich doch in einen verschlagen. Da steht man dann und versucht sich zu entscheiden, welchen Joghurt nehm ich denn jetzt... und welches Kaffeepulver und so weiter.... lauter neue Marken, lauter ungewohnte Verpackungen. Joghurt und Milch kann man auch in so ner Art Plastiktüten haben, wie bei uns Mozarella verpackt ist, nur halt halbe oder ganze Liter. Sehr unpraktisch, wenns mal offen ist. Dafür gibts die Muskatnüsse gleich mit Minireibe zu kaufen. Sehr praktisch.

Zum Abendessen gabs dann - juhuu - das erste Mal selbstgemachte Muscheln.
Einer meiner Mitbewohner spielt echt gut Gitarre und singt. Das ist super schön. Ich genieß es richtig. Und ein paar Akkorde hab ich jetzt auch mal probiert... einfach schön, Gitarrenmusik. In der Nacht ab 2.30 Uhr war ich mit meinen Mitbewohnern noch weg. So spät bin ich glaub ich auch noch nie gestartet. Noch zwei Stunden in die Karaokebar. War ganz nett, aber eher unspektakulär. Außerdem ist man ja irgendwann müde :-)

Gerade musst ich zu meinen Vermieterinnen zur ersten Besprechung, nachdem ich seit Freitag hier bin, ohne dass irgendwer weiß wie ich mit vollem Namen heiß usw. Unkompliziert. Auf der einen Seite sehr angenehm. Aber auch nicht ganz ohne Schwierigkeiten, wenn die Dinge nicht ausgemacht sind. Zahl ich jetzt pro Nacht oder für einen Monat, wie lang bleib ich da? Wenn ich nur einen Monat bleibe, dann kann ich jetzt doch nicht in das Zimmer abajo, weil da haben jetzt zwei angefragt, die bis Dezember bleiben wollen. Damit haben sie mich gerade "konfrontiert". Ich kann aber gern in einem teureren oben bleiben... usw. Bis Dezember hier fest einziehen und "meine Seele verkaufen" darauf hab ich aber wenig Lust. Dazu hab ich hier bei zu vielen Dingen ein ungutes Gefühl. Permanenter Wechsel von Kurzzeitgästen für ein paar Nächte, weils ja auch ein Hostal ist. Keine Ahnung, wann und ob im Wohnzimmer geheizt wird. Und im Zimmer sowieso keine beeinflussbare Heizung. Und die Leute, die gerade da sind ziehen auch alle aus, also keine Ahnung... mir ist das grad zu viel Durcheinander. Wenn man nur auf Reisen ist, dann mag das ganz schön sein und es hat was, aber zum mich hier bissl Niederlassen und Wohlfühlen, hab ich das Gefühl, ist´s nix auf Dauer...Die zwei Besitzerinnen haben nämlich seit kurzem auch noch eine kleine Bar und seither scheint´s hier drunter und drüber zu gehen.
Jetz wart ich also noch bis morgen und schau, was ich mach. Wo ich vielleicht hinkann, wenn ich in einem Monat hier wieder raus will?!
Also, wieder auf der Suche...
Dabei hatte ich mich so auf das kleine Zimmer im Keller gefreut.

Immerhin hab ich das Mehrbettzimmer noch für mich allein. Also auch wieder gut. Und eigentlich fühl ich mich heute schon recht wohl hier.

Der Tag war ruhig heut. Frühstück um 13 Uhr. Dann raus in den Regen und zum Fischmarkt. Heut abend, sprich jetzt gleich dann, gibt´s Merluza (=Seehecht). Lecker. Der ersehnte Fisch.

Weil ich´s nicht mehr ausgehalten hab, nur rumzusitzen, hab ich mich heut nachmittag überwunden und bin trotz Regen und Kälte zum Laufen gegangen mit T-shirt, Rolli und Pulli. Nass wird sowieso alles.
Das tat dann so richtig gut. Bin eine lange Runde durch Valdivia gelaufen und hab zum Glück im richtigen Moment nach dem Weg gefragt, sonst hätt ich mich fast verrannt. Und zur Belohnung eine Warme Dusche. Seither draußen Dauerregen, drinnen ein Feuer, das nicht wirklich brennt und der Laptop,....


-einige Stunden später-


Der Fisch- Merluza - Seehecht war sehr lecker. Nach ein bissl Auf-und Ab des heutigen Tages gehts mir grad recht gut und ich freu mich auf mein Bett. Ich mag die bunten Ecken dieses Hauses und die vielen kleinen versteckten Details. Ach ja und: frische trockene Wäsche :-) ein Hochgenuss

Sonntag, 23. August 2009

Corral


Heute ist ein ruhiger, aber sehr schöner Tag. In der Nacht hab ich ziemlich gefroren und lerne gerade zu schätzen, was eine funktionsfähige Zentralheizung an Lebensqualität bedeutet. Aber es ist spannend zu erleben, was es heißt "einfacher" zu leben. Das hat heute bedeutet, dass ich nicht Laufen gegangen bin, weil ich nicht weiß, ob es warmes Wasser aus der Dusche gibt und wenn das Feuer noch nicht an ist, hab ich keine Ahnung, wie ich mich wieder aufwärmen soll, falls ich vom Regen nass werde. Die Dusche heut früh war echt eine Überwindung, denn schließlich muss man sich vorher und nachher irgendwie umziehen.


Einige Stunden hab ich dann mit zwei meiner Mitbewohner einen Ausflug nach Corral gemacht. Keine Touristenattraktion, aber genau deshalb so schön. Ein kleiner Ort am Meer. Ein kleiner Hafen. Viele Fischerboote. Ein Schotterweg mit Schlaglöchern voll Wasser. Schrott. Alte Boote. Kleine Häuschen. Miniläden einfach durch und durch authentisch







Und was mir am besten gefallen hat waren Die Pelikane, die die kleinen Fischerboote erobert haben und immer wieder über uns hinweg geflogen sind...





Ansonsten hab ich mir heute am Markt das erste Mal Muscheln gekauft. Ich freu mich schon so drauf. Und von den Marktverkäufern, die mir am Ende noch irgendwas hinterhergerufen haben, hab ich mir erklären lassen, dass sie am besten mit ein bisschen Weißwein, aber ganz ohne Wasser gekocht werden.









Und auf dem Heimweg vom Markt hab ich dann noch was entdeckt:
Was um Himmels willen tut das riesengroße U-Boot hier in Valdivia tut und war das schon immer da? Inzwischen weiß ich, nein! Aber wie kann so ein Riesending völlig unbemerkt auftauchen?














Liebe Grüße. Zum Abschluss das wunderschöne Wandbild aus dem "Wohnzimmer" hier.

Samstag, 22. August 2009

CACHAI !

Gestern nachmittag hat völlig überraschend meine Kommilitonin Rocío angerufen. Ob ich abends Lust hab mit Tanzen zu gehen und vorher con las chicas bei ihr ein bisschen was zu trinken? Wow! Klar hab ich lust. Wie nett, dass sie mich fragen. Ich hab mich richtig gefreut.

Und am gestrigen Abend hab ich mehr gelernt als in einer ganzen Woche Uni.

1. Umgangssprachlich: "Cachai!"z.B. bedeutet soviel wie "hast mi" oder "weißt schon" oder "alles klar", "kapiert", "verstehst". Wird im Zweifel in jedem zweiten Satz verwendet. Ich bin auf jeden Fall um einiges schlauer.
2. Es gibt sehr wohl überall Desinfektionsmittel im Krankenhaus, nur dass die Ärzte´s solang sie die Patienten nicht untersuchen und anlangen natürlich nicht hernehmen müssen und außerdem bin ich ja grad auf ner gynäkolgischen Station und nicht in der Chirurgie. Da sind ja vor allem "unansteckende" Schwangere. Drum ist das ganze nicht so offensichtlich wie erwartet. Also Montag geh ich gleich mal suchen!

3. Wie peinlich ist es für mich zu hören, dass eine Chilenin, als sie in Deutschland auf Austausch war erklärt bekommen hat: "Das sind Messer und Gabel" und wie unsensibel sind andere und gehen bei uns mitsamt "Austauschkind" in die Sauna, wo alle nackt rumlaufen... nicht unbedingt das, was man mit seinen Austauscheltern haben muss, oder? Die Chileninnen meinten, sie wissen eigentlich nicht wenig über Europa und was es z.B. für neue Technik gibt, wir Europäer aber haben im Prinzip keine Ahnung, was hier in Chile abgeht. Hmm... so ganz unrecht haben sie nicht. Aber ich bemüh mich grad viel zu lernen.

4. Ein Grund dafür, warum´s hier so viele super junge Mütter gibt ist wohl, dass im Gegensatz zu uns kaum eine 14 jährige die Pille nimmt. Das sind bei uns ja eher erschreckend viele. Aber hier sind die Eltern davon nicht so ganz begeistert. Wenn die Mädchen aber ein Rezept haben wollen müssen sie ins Consultorio (Gesundheitszentrum), wo alle aus der Gegend hingehen. Also würden automatisch Nachbarn das mitkriegen und bis es die Eltern wissen ist nur eine Frage der Zeit. Außerdem kostet die Pille ja auch noch was. Le voilá. Dann ist noch die Abtreibung illegal und schon hat man die Erklärung, warum´s mehr Jugendliche schwangere gibt.

5. Meine Kommilitonen sind ja wie schon bemerkt ehrgeizig. Wenn sie aber jeden Monat teure Studiengebühren zahlen (auch während ihrer zwei Jahre PJ) und durchaus immer wieder Leute durchfallen, die dann gleich ein ganzes Jahr warten müssen, bis sie weiterstudieren können, weils die Fächer nur alle zwei Semester gibt, ist das auch gut nachvollziehbar.
Dann waren wir noch in einer Disco beim Tanzen. Hier hab ich dann "Regeton" kennengelernt, eine Art von Liedern, die alle ähnlichen Rhythmus haben und der dazugehörige Tanzstil.
Die Disco an sich war allerdings verblüffend ähnlich dem, was man bei uns auch so findet. Mit kleinen Flachbildschirmen an der Wand und Laser-Elektrolicht. Schade, dass die Globalisierung alles irgendwie auch bissl ähnlich macht. Spätestens, als die Backstreetboys kamen hab ich das bedauert... die spanische Musik zwischendrin hat mir besser gefallen. Und irgendwie war´s einfach schön, wieder mal einen Abend "draußen" zu verbringen, nach dem 22 Uhr Bettgehrhythmus.

Heute durft ich dann ein letztes Mal in meinem Hostal frühstücken. Uni ist freitags erst um 10.45 Uhr. Juhu, heute kein Krankenhaus.Der Vormittag ist nämlich für Prüfungen reserviert:-)

Dann Vorlesung. Und juhu, ich hab´s wieder mal geschafft eine Frage zu stellen oder eher die Wortfetzen so aneinanderzureihen, dass der Prof verstanden hat, was ich wissen will.:-)

"Dónde es Wali?" ist übrigens das Pendant zu "Wo ist Walter?" (diese typischen Suchbilder) Darüber hat der Prof nämlich heute auch kurz gequatscht und gegrinst, weil ich´s natürlich erst mal wieder nicht verstanden hatte.

Nachmittags war ich dann wieder im Consultorio und hab mich vor meinem Kommilitonen bissl blamiert als ich versucht hab zur Übung ihn als Patienten anzusprechen und aufzunehmen. Mir fehlen die Worte, mir fehlt die Grammatik, ich bin zu doof zum sprechen :-( aber ich geb nicht auf!
Leitungswasser kann man laut Kommilitonen scheinbar doch trinken.

Später nachmittags: der erste Umzug. Hostal Tótem - Albergue latino.

Viel zu viel Gepäck zum rumschleppen.

Willkommen in der Albergue latino.
Ganz ehrlich? Mein Start war trotz wirklich schön buntem einladendem Haus und Bett nicht so richtig gut. Wieder mal neue Situation, wie verhalt ich mich, was sag ich, usw.? Und was mach ich, wenn ich mich im ersten Moment so gar nicht wohl fühl? Meine Antwort: Gepäck und Wertsachen verstauen und die Flucht ergreifen. Mit Büchern, Tagebuch und Reiseführer bewaffnet hab ich mich ins Cafe Moro zurückgezogen. Was war jetzt am Start so ungut? Nun ja, die Küche, wo ich ja an sich echt nicht sensibel bin, war das eine abschreckende. In den Schränken liegen irgendwelche Sachen völlig lieblos und dreckig rum und ich hab im ersten Anlauf kein einziges kleines Fleckchen gefunden, wo ich mein Zeug (ein Päckchen Salz, Orangen und ne halbe Zwiebel) verstauen kann. Mit dem Foto von den zum Trocknen aufgetürmten Sachen grüß ich ganz besonders meine lieben (Ex-)Mitbewohnerinnen und Mitbewohner. Wir sind definitiv steigerbar :-) Die Hauptursache für die Flucht war aber eine Mitbewohnerin. Eine Deutsche, die mich begrüßt hat mit "komisch, wieso hab ich das gleich gemerkt, dass du deutsch bist" kurz nachdem ich mühsam versucht hab mich auf Spanisch vorzustellen. Und irgendwie hat sie mich mit ihrer so "super-cool-easy-lässigen" aber nicht gerade herzlichen Art eher bissl abgeschreckt. Drum "Adios amigos"... ich such mir ein anderes Fleckchen.

















Nach einem Cafe moca und ein paar Seiten Papier schaut die Welt doch gleich ganz anders aus...

Auf dem Heimweg im Halbdunkel dann die Frage, wo krieg ich was zum Essen her. Die Antwort war ein süßer kleiner Laden, mit einem sehr netten Verkäufer. Ich war etwas planlos rumgestanden, hab mich schließlich für eine Tomate, eine Zitrone und Nudeln entschieden. Dann hat er mir noch empfohlen eine Tomatensauce mitzunehmen und Parmesan. Und ein halber Liter Weißwein. Das war dann mein erstes selbstgekochtes warmes Essen seit 10 Tagen. Keine Glanzleistung, aber warm. Auf dem Weg draußen, wenns dunkel wird, bin ich immer noch nicht ganz sicher wo der richtige Mittelweg zwischen überängstlich und unvorsichtig ist. Einfach mal vortasten.

Der zweite Start in der Albergue war übrigens auch viel besser! Um mich rum geistern grad drei-Amerikaner, eine Columbianerin, eine Deutsche und ein Schwede. Im Ofen hier vor mir brennt ein Feuerchen und kämpft gegen die Kälte an. So richtig viel unterhalten hab ich mich noch nicht,... einfach mal schau´n was draus wird. Grad wird mir zuviel Englisch gesprochen. Aber Hauptsache mal ein nettes zu Hause für mindestens die nächsten 10 Nächte. Der einzige Umzug wird im Haus vom Mehrbettzimmmer in den Keller sein.

Donnerstag, 20. August 2009

me siento bien

I feel good. Endlich, endlich bin ich seit langem heute wieder mal Laufen gewesen. Extra mit Fotoapparat, damit ich ein paar neue Bilder hab :-) Das tat gut. Ich bin schon ganz eingerostet.


Als erstes ein Bild mit dem Türschild "Centro de Cirurgia Plástica Estética y Reconstructiva." Vielleicht nicht ganz so vertrauenserweckend die Schönheistchirugie in dem Haus, das ich rein zufällig entdeckt hab.


Dass die Chilenen aber in manchen Dingen alles andere als hinten nach sind, durft ich heut in der Vorlesung erleben: Videokonferenz! Aber nicht nur mit einem anderen Hörsaal, sondern gleich mit ner anderen Stadt. Erst ham sich die Profs kurz unterhalten, der eine in live bei uns, der andere am Bildschirm in Osorno. Dann waren am Fernseher nur noch die anderen Studenten zu sehen und an der Wand gabs ne Power Point Präsentation, die unser Prof, gefilmt von einer kleinen Webcam, die ihn automatisch verfolgt hat, gehalten hat. Witzig. Die letzte Frage der Vorlesung ging wieder mal an mich: "Verstanden?" Diesmal sogar relativ viel. Wenn ich was zum mitlesen hab, ist´s immer besser. Nur bei "eje equis" hab ich schmunzeln müssen, als mir klar wurde, was das ist... na, was glaubt ihr? (Lösung siehe unten)

Dafür hab ich im Krankenhaus wieder mal über das Blutabnahmeset mit abgeschnittener Plastikflasche und Blechdose als Abfallbehälter gestaunt. Hierauf ist übrigens schon ein Desinfektionsmittel. In der Gruppenbesprechung bin ich dafür fast eingeschlafen und hab auch so gut wie nada verstanden. Der Alltag hier ist dem in deutschen Krankenhäusern erstaunlich ähnlich. Visite, Gruppentreffen mit Patientenvorstellung, Patientenakten durchforsten usw.

Mittags war dann Skype-Konferenz mit den Forschungsprojektleitern in Deutschland angesagt. Schon verrückt diese chilenisch-deutsche Zusammenarbeit quer über den Kontinent.

Gestern übrigens ein witziges Erlebnis im Consultorio, dem Gesundheitszentrum, wo wir bzgl. der Studie arbeiten. Der kleine 12 jährige Patient hat mich auch mit Bussi auf die Backe begrüßt.

Wann man das jetzt mit wem macht, ist mir noch ein Rätsel. Prinzipiell scheints echt mit jedem zu funktionieren. Studenten mit Sekretärinnen, wir untereinander usw. aber Jungs begrüßen sich in der Regel per Handschlag.

Um 14 Uhr war ich dann glücklich einen weitestgehend freien Nachmittag vor mir zu haben und jetzt die versprochenen Bilder vom Laufen mit dem Titel: Frühling-Sommer-Herbst-und-Winter.

Der Frühling zart und rosa, der Sommer mit Palme, der Herbst bunt und der Winter hier gerade noch aktuell. Aber langsam gewöhn ich mich und kann schon zwei Schichten G´wand weglassen.
































Hier das grüne Haus ist ein Kindergarten "Jardin infantil - Los Principitos"="die kleinen Prinzen". Und rechts Aschentonnenkonsumenten.




Dieser Freund hier zeigt mir ganz klar, was ich machen muss, wenn mich mal was aufregt, beschäftigt, fertig macht.... sag einfach "das juckt und krazt mich nicht" Ich merk mir das mal.

Auflösung von oben: eje equis = x-Achse im Koordinatensystem. Ich hab natürlich das Bild dazu gehabt und´s auch nur deshalb rausgekriegt, von was er da redet.

Und jetzt einen ganz dickes Bussi an euch alle :-)